Das Programm der letzten Saison 2004/2005

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Die Angst des Australiers, Country Music sei nicht anerkannte Kultur und käme deshalb bei unserem Publikum nicht an, erwies sich als völlig unbegründet. Jeff und seine beiden Musiker - Gian-Piero mit Gitarre und Gesang, Chris am Piano - begeisterten die Zuhörer mit ihrer Musik von Country über Blues und Folk bis hin zu einer schmissig vorgetragenen Version von „Rock over Beethoven“. Bereits vor 21.30 Uhr erntete das Trio Zwischenapplaus vom Publikum und brachte uns bedächtige Berner zum Mitsingen und Töne hervorbringen, die an Didgeridoo  oder schwingende Brettchen erinnern. Mit Witz, Charme und ausgeprägtem Akzent gewann der Australier die Sympathie des Publikums – ein würdiger Startschuss ins Jubiläums-Programm.

Die zierliche Patrizia Barbuiani und der riesige Markus Zohner entführten uns in die Welt der griechischen Mythologie. Dies gelang ihnen nebeneinander sitzend, gehüllt in einfache, tunikaähnliche Gewänder, mit viel Sprachgefühl, grosser Fingerfertigkeit, unter Beherrschung Ihrer Körpersprache und der Fähigkeit, Geräusche täuschend echt zu produzieren. Das Publikum war gefordert und voll konzentriert, um den schnell wechselnden Rollentausch der verschiedenen Götter mitverfolgen zu können. So erlebten wir einen Abend der ganz speziellen Art.

Was für eine grossartige, schwarze Stimme aus einer zierlichen, schönen Frau! Die 57jährige Grossmutter überzeugte uns mit ihrer wundervollen Stimme, wechselte von langsamen, melancholischen Bluesstücken zu fetzigen Gospelsongs. In der Band spielten die Herren sehr gefühlvoll, einmal zurückhaltend leise, dann wieder lauter und immer präzise. Die Zuschauer hätten noch viel mehr hören wollen, aber mit der Band blieb es bei „Happy Days“ als Zugabe. Sydney Ellis trat zuletzt allein auf die Bühne mit der Aufforderung, mit einem Lächeln durchs Leben zu gehen und einem letzten Lied. Das Lächeln blieb auf vielen Gesichtern des Publikums beim Verabschieden in den nebligen, vorweihnächtlichen Abend.

Die Bühne auf der Bühne und vor allem, was sich unter der Muschel der Souffleuse verbarg, liess uns staunen. Ohne viele Worte, mit umwerfender Mimik und feinstem Humor verzauberte uns Gardi Hutter und zeigte, weshalb die Wahl gerade auf sie gefallen ist für den goldenen Thunfisch 2005, der begehrten Auszeichnung der Schweizer Kleinkunst. Die etwas schrullige Souffleuse, welche sich ihr eigenes Reich im Untergrund bemerkenswert eingerichtet hat und ihren Alltag mit verstorbenem Gatten bewältigt, liess auflachen und stimmte nachdenklich. Nachdem ihr Theater geschlossen wurde, versucht Gardi ihre Unterwelt zu verlassen, scheitert aber vorerst beim Versuch, ihre Rundungen durch das Loch zur Oberwelt zu hieven. Erst nach einigen Fitnesseinlagen gelingt ihr das Unterfangen und sie taucht auf.


Das junge Schweizer Kabarettistenduo präsentierte dem Publikum die Geschichte im Bahnhof von Grosshöchstetten von Herrn Schön und Frau Gut mit enorm viel Sprachwitz, der Liebe zum Wortspiel, den schnellen Szenenwechseln von Vergangenheit, Zukunft, Schiffs- und Postautoausflügen bis hin zu Sequenzen, die eine Fusion von Osterhasen und Christkind mit sich bringen und fesselten das Publikum mit ihrer Bühnenpräsenz. Niemanden kann es verwundern, dass die beiden mit der Verleihung des Salzburger Stieres 2004 einen begehrten Preis in der Kabarettszene einheimsen konnten.


Mit Türschmuck und einem Cüpli, spendiert vom Leist, wurden unsere Gäste zum Jubiläums-Abend begrüsst. Auf den Bistro-Tischen gab’s zum Unterlegen briocheartige Gugelhöpfli und die kulturelle Kost bescherte ebenfalls viel Abwechslung und beste Unterhaltung. Andreas Thiel legte den fulminanten Startschuss mit seinen Auseinandersetzungen der schwierigen deutschen Sprache. Manch einer wird sich ans Büffeln in der Schulzeit erinnert haben, um verblüfft festzustellen, dass Grammatik unterhaltsam sein kann. Obwohl sich Thiel von politischen Themen fernhalten wollte, streifte er mit seinen Ausführungen das Thema immer wieder und zeigte, dass Politik in unserer Welt nicht auszuschliessen ist.

Nina Dimitri bescherte uns dann einen Ausflug in wärmere Gefilde und bezauberte mit wunderschönen Liebesliedern und ihren flinken Fingern. Das Publikum liess die Frau mit der speziellen Ausstrahlung erst nach einer Zugabe ziehen.

Martin Ott’s angeschlagener Stimme zum Trotz setzten „Baldrian“, die Bio-Bauern aus dem Zürcher Oberland, den musikalischen Schlusspunkt der Jubiläums-Saison. Die vier beherrschten das Gitarrenspiel, mokierten sich über ihren dünnen Bassisten und ernteten für ihre schrägen Texte viel Applaus und Gelächter. Der Ausflug ins Kreuz nach Wohlen zum Znacht vor Konzertbeginn brachte uns als Dessert den neu komponierten Song übers Kulturgöpelteam. Da Bauern bekanntlich am Morgen einmal aufstehen müssen und unser Publikum am Donnerstagabend mit Blick auf den letzten Arbeitstag ebenfalls zeitig aus den Federn muss, blieb es bei der zweiten Zugabe, einem echt langweiligen Lied, das den Abschied erleichterte.


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