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Die
Angst des Australiers, Country Music sei
nicht anerkannte Kultur und käme deshalb bei unserem Publikum
nicht an, erwies
sich als völlig unbegründet. Jeff und seine beiden Musiker -
Gian-Piero mit
Gitarre und Gesang, Chris am Piano - begeisterten die Zuhörer mit
ihrer Musik
von Country über Blues und Folk bis hin zu einer schmissig
vorgetragenen
Version von „Rock over Beethoven“. Bereits vor 21.30 Uhr erntete das
Trio
Zwischenapplaus vom Publikum und brachte uns bedächtige Berner zum
Mitsingen
und Töne hervorbringen, die an Didgeridoo
oder schwingende Brettchen erinnern. Mit Witz, Charme und
ausgeprägtem Akzent
gewann der Australier die Sympathie des Publikums – ein würdiger
Startschuss
ins Jubiläums-Programm.
Die zierliche
Patrizia Barbuiani und der riesige
Markus Zohner entführten uns in die Welt der griechischen
Mythologie. Dies gelang
ihnen nebeneinander sitzend, gehüllt in einfache,
tunikaähnliche Gewänder, mit
viel Sprachgefühl, grosser Fingerfertigkeit, unter Beherrschung
Ihrer Körpersprache
und der Fähigkeit, Geräusche täuschend echt zu
produzieren. Das Publikum war gefordert
und voll konzentriert, um den schnell wechselnden Rollentausch der
verschiedenen
Götter mitverfolgen zu können. So erlebten wir einen Abend
der ganz speziellen
Art.
Was
für eine grossartige, schwarze Stimme aus
einer zierlichen, schönen Frau! Die 57jährige Grossmutter
überzeugte uns mit
ihrer wundervollen Stimme, wechselte von langsamen, melancholischen
Bluesstücken zu fetzigen Gospelsongs. In der Band spielten die
Herren sehr
gefühlvoll, einmal zurückhaltend leise, dann wieder lauter
und immer präzise.
Die Zuschauer hätten noch viel mehr hören wollen, aber mit
der Band blieb es
bei „Happy Days“ als Zugabe. Sydney Ellis trat zuletzt allein auf die
Bühne mit
der Aufforderung, mit einem Lächeln durchs Leben zu gehen und
einem letzten
Lied. Das Lächeln blieb auf vielen Gesichtern des Publikums beim
Verabschieden
in den nebligen, vorweihnächtlichen Abend.
Die
Bühne auf der Bühne und vor allem, was sich unter der Muschel
der Souffleuse
verbarg, liess uns staunen. Ohne viele Worte, mit umwerfender Mimik und
feinstem Humor verzauberte uns Gardi Hutter und zeigte, weshalb die
Wahl gerade
auf sie gefallen ist für den goldenen Thunfisch 2005, der
begehrten
Auszeichnung der Schweizer Kleinkunst. Die etwas schrullige Souffleuse,
welche
sich ihr eigenes Reich im Untergrund bemerkenswert eingerichtet hat und
ihren
Alltag mit verstorbenem Gatten bewältigt, liess auflachen und
stimmte
nachdenklich. Nachdem ihr Theater geschlossen wurde, versucht Gardi
ihre
Unterwelt zu verlassen, scheitert aber vorerst beim Versuch, ihre
Rundungen
durch das Loch zur Oberwelt zu hieven. Erst nach einigen
Fitnesseinlagen gelingt
ihr das Unterfangen und sie taucht auf.
Das
junge Schweizer Kabarettistenduo präsentierte dem Publikum die
Geschichte im
Bahnhof von Grosshöchstetten von Herrn Schön und Frau Gut mit
enorm viel
Sprachwitz, der Liebe zum Wortspiel, den schnellen Szenenwechseln von
Vergangenheit, Zukunft, Schiffs- und Postautoausflügen bis hin zu
Sequenzen,
die eine Fusion von Osterhasen und Christkind mit sich bringen und
fesselten
das Publikum mit ihrer Bühnenpräsenz. Niemanden kann es
verwundern, dass die
beiden mit der Verleihung des Salzburger Stieres 2004 einen begehrten
Preis in
der Kabarettszene einheimsen konnten.
Mit Türschmuck und einem Cüpli, spendiert vom
Leist, wurden unsere Gäste
zum Jubiläums-Abend begrüsst. Auf den Bistro-Tischen gab’s
zum Unterlegen
briocheartige Gugelhöpfli und die kulturelle Kost bescherte
ebenfalls viel
Abwechslung und beste Unterhaltung. Andreas Thiel legte den fulminanten
Startschuss mit seinen Auseinandersetzungen der schwierigen deutschen
Sprache.
Manch einer wird sich ans Büffeln in der Schulzeit erinnert haben,
um verblüfft
festzustellen, dass Grammatik unterhaltsam sein kann. Obwohl sich Thiel
von
politischen Themen fernhalten wollte, streifte er mit seinen
Ausführungen das
Thema immer wieder und zeigte, dass Politik in unserer Welt nicht
auszuschliessen ist.
Nina Dimitri bescherte uns dann einen Ausflug in wärmere Gefilde und bezauberte mit wunderschönen Liebesliedern und ihren flinken Fingern. Das Publikum liess die Frau mit der speziellen Ausstrahlung erst nach einer Zugabe ziehen.
Martin Ott’s angeschlagener Stimme zum Trotz setzten „Baldrian“, die Bio-Bauern aus dem Zürcher Oberland, den musikalischen Schlusspunkt der Jubiläums-Saison. Die vier beherrschten das Gitarrenspiel, mokierten sich über ihren dünnen Bassisten und ernteten für ihre schrägen Texte viel Applaus und Gelächter. Der Ausflug ins Kreuz nach Wohlen zum Znacht vor Konzertbeginn brachte uns als Dessert den neu komponierten Song übers Kulturgöpelteam. Da Bauern bekanntlich am Morgen einmal aufstehen müssen und unser Publikum am Donnerstagabend mit Blick auf den letzten Arbeitstag ebenfalls zeitig aus den Federn muss, blieb es bei der zweiten Zugabe, einem echt langweiligen Lied, das den Abschied erleichterte.